Wie funktioniert KNX? Verkabelung, Visualisierung und Programmierung

KNX ist komplexer als einfache Plug & Play-Hardware. Wer das Bussystem zuhause in Betrieb nehmen möchte, fragt sich deshalb zunächst einmal: Wie funktioniert KNX genau und wie sieht es mit Verkabelung, Visualisierung und Programmierung aus? Hier gibt es die Antwort.

KNX-JUNG
Foto: iHaus AG

Wie funktioniert KNX im Neubau?

Wer ganz von vorne beginnt, hat in Sachen KNX Verkabelung freie Hand. Das gilt nicht nur für das KNX Kabel, sondern auch für die Lastkabel. Denn im Gegensatz zu einer konventionellen Hauselektrik, bei der jeder Raum ein eigenes Lastkabel vom Verteilerkasten bekommt, eignet sich die sogenannte Sternverkabelung zu einzelnen Geräten oder Gerätegruppen, die ausschließlich gemeinsam geschaltet werden sollen, deutlich besser für KNX Systeme.

Wie funktioniert KNX im Neubau dann genau? Ganz einfach: Dadurch, dass jedes bzw. viele Geräte wie zum Beispiel Steckdosen und Lampen jeweils über ein eigenes Stromkabel mit dem Verteilerkasten verbunden sind, bleibt die Konfiguration dauerhaft flexibel und kann zentral eingerichtet werden. Das bedeutet: Alle Aktoren sitzen in einem speziellen KNX Schrank – und nicht etwa direkt in der Dose hinter einem Wandschalter. Der Steuerungsbefehl eines Wandschalters wird dann zuerst über das KNX Kabel zum zentral verbauten Aktor gesendet. Dieser schaltet daraufhin die Lampe ein. Welchen der Aktoren der Wandschalter dabei anspricht, lässt sich im Nachhinein natürlich durch KNX Programmierung verändern.

Wie funktioniert KNX Nachrüstung Gira KNX RF Wandsender
Gira KNX RF Komponenten: Einfache Nachrüstung dank Funkbetrieb. Foto: Gira

Wie funktioniert KNX als Nachrüstung?

Wenn eine konventionelle Verkabelung schon vorhanden ist, lässt sich KNX nachrüsten. Der Aufwand dafür hängt von zwei Faktoren ab: Einerseits sind das Anzahl und Lage der anzuschließenden Geräte und andererseits auch die Art, welche KNX Variante LINK dafür verwendet werden soll. Wer sein Haus grundsanieren und die Elektrik ohnehin komplett sanieren möchte, kann wie bei einem Neubau planen. Alle Nachrüster, die an der bestehenden Verkabelung nichts ändern können oder möchten, haben die Wahl zwischen KNX Powernet, KNX RF und KNX net. Dabei findet die Kommunikation wahlweise über das Stromnetz, über Funk oder Ethernetkabel statt. Wichtig: Es werden so genannte Busankoppler an den angeschlossenen Komponenten erforderlich. Diese kleinen Controller ermöglichen erst die Kommunikation – und können die anfallenden Kosten schnell in die Höhe treiben. Es lohnt sich deshalb, genau zu vergleichen und die gewünschte KNX Konfiguration möglichst exakt mit den verschiedenen Varianten zu kalkulieren.

KNX Programmierung: Flexible Konfiguration

Durch die KNX Verkabelung ist das Smart Home erst zur Hälfte eingerichtet. Denn wie beim einem Computer kommt es nicht nur auf die Hardware, sondern auch auf die Einstellungen bzw. die Konfiguration an. Bei der KNX Programmierung werden einzelne Komponenten miteinander verbunden und vernetzt.

Wie funktioniert KNX Programmierung ETS
Fenster statt Code: Die KNX Programmierung erfolgt bequem Bildschirm, erfordert jedoch etwas Einarbeitung. Screenshot: KNX Association

Wie funktioniert KNX Programmierung?

Die Konfiguration lässt sich per Mausklick erledigen. Denn bei der KNX Programmierung kommt die Engineering Tool Software (ETS) zum Einsatz. Die Software sucht auf Grundlage einer Produktdatenbank zunächst nach KNX Geräten im Netzwerk. Die gefundenen Komponenten werden dann mitsamt aller Einstellungsmöglichkeiten angezeigt. Darüber lässt sich dann zum Beispiel festlegen, welcher KNX Schalter welche Lampen einschalten soll. Der Vorteil dabei: Die Konfiguration kann jederzeit geändert werden, ohne etwas an der Verkabelung verändern zu müssen. Allerdings erfordert die Programmierung schon einige Stunden an Aufwand. Absolute Einsteiger, die mit der Materie kaum vertraut sind, können die KNX Programmierung natürlich von einem Fachmann erledigen lassen.

KNX Visualisierung: Die Grundlagen

Den Überblick behalten und das eigene Zuhause über ein grafisches Interface steuern – solche Funktionen lassen sich mit einer KNX Visualisierung umsetzen. Im Idealfall greifst du dann per KNX App einfach auf alle KNX und IoT Geräte zu, kannst sie miteinander vernetzen und erhältst dadurch ein hochfunktionales Smart Home. Dazu benötigst du im Wesentlichen zwei zusätzliche Bausteine:

  1. Ein KNX Gateway
    Die Hardware, die dauerhaft läuft und Zugriff auf alle KNX Geräte hat.
  2. Eine Visualisierungssoftware
    Neben Design kommt es bei der KNX Visualisierung natürlich auf den Funktionsumfang der Software an.

Welche Lösung die optimale ist, lässt sich pauschal natürlich nicht beantworten. Hier kommt es auf Art und Umfang des KNX Systems und die eigenen Wünsche an. So kann eine KNX Visualisierung zum Beispiel über einen Raspberry Pi laufen und kostenlose Software verwenden. Dabei ist der Einarbeitungsaufwand natürlich hoch. Etwas einfacher gelingt die Umsetzung mit KNX Gateways von zertifizierten Herstellern. Denn die darauf installierten Visualisierungs-Tools sind meist einfacher zu bedienen und einzurichten. Dieser Komfort spiegelt sich allerdings auch in den Anschaffungskosten wider.

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